Management • 07.06.2016

Digitaler Wandel verändert Krankenhausbetrieb massiv

Abteilungen werden aufgelöst oder verschmolzen, Informationsprozesse zentralisiert, Verwaltungsabläufe verschlankt: Die Digitalisierung hat massiven Einfluss auf die Organisation des Krankenhausbetriebs, so das Ergebnis einer Prozessanalyse, die CURATIS durchgeführt hat. Danach ist bei den untersuchten Häusern die Produktivität von Prozessen im Bereich der Diagnose und Datenverwaltung durch die Vernetzung klinikinterner Prozesse deutlich gestiegen.

CURATIS Geschäftsleiter Ottmar Graf.
Quelle: Curatis

„Durch die Neustrukturierung und Vernetzung krankenhausinterner Prozesse erzielt die Mehrheit der Häuser einen Produktivitätsgewinn“, sagt CURATIS Geschäftsleiter Ottmar Graf. „Informationsprozesse, die Diagnosen ermöglichen oder Grundlage für einen Behandlungsplan bilden, werden beschleunigt und das Anlegen digitalisierter Krankenakten vereinfacht.“

Analysiert wurden von CURATIS Kundenprojekte, in denen Krankenhäuser die bislang eigenständigen Bereiche Medizintechnik (MT) und IT zu einer Abteilung verschmolzen haben. Da moderne Medizintechnik IT-gestützt ist, liegt dieser Schritt im Zuge der digitalen Transformation nahe.

Welchen Einfluss die Digitalisierung auf den Krankenhausbetrieb hat, zeigt die Verschmelzung von Medizintechnik (MT) und IT bei den Kliniken Essen-Mitte; beide Abteilungen wurden dort zu „MIT“ verheiratet und Prozessabläufe grundlegend restrukturiert.

Positive Effekte der Neuorganisation finden sich im Ergebnis auf Organisations- wie auf Kostenseite: So konnte beispielsweise bei der Anschaffung neuer Ultraschallgeräte auf Bilddrucker verzichtet werden. Untersuchungsergebnisse werden heute in Sekundenschnelle per W-Lan an das PACS-System (Picture Archiving and Communication System) übermittelt. Das medizinische Archiv ist Bestandteil des Hospital Information System (HIS), welches das Krankenhausinformationssystem (KIS) sowie das Datenmanagementsystem (DMS) integriert. Die Kosten und der Verwaltungsaufwand in der bildgebenden Diagnostik wurden so über die Vernetzung von Medizintechnik und IT deutlich reduziert.

Die Produktivitätssteigerung des MIT-Konzepts, der Heirat von Medizintechnik und IT, lässt sich nach CURATIS Analyse an unterschiedlichen Punkten festmachen. So werden Prozesse über das neue „MITeinander“ in den Kliniken standardisiert: Störungsannahme, Dokumentation und Kommunikation laufen – zentral gesteuert – über eine gemeinsame genutzte IT-Plattform statt über die Rechner einzelner Abteilungen.

„Abteilungsdenken war gestern“, betont Graf, der gerade in diesem Punkt noch erheblichen Handlungsbedarf in den Krankenhäusern sieht. „Die Angst vor Veränderungen ist da; neben emotionalen Einflussfaktoren müssen auch fachliche Herausforderungen in dem Change-Prozess bewältigt werden.“

Die Vorteile und Herausforderungen der Verschmelzung von Medizintechnik und IT auf einen Blick:

Vorteile der MIT

  • Wirtschaftlicher Mehrwert: Produktivitätssteigerung und  Betriebskostensenkung
  • Prozesssicherheit - Vermeidung von Reibungsverlusten zwischen MT und IT
  • Unterstützung der modernen Medizin und Standardisierung in derTechnik
  • Unterstützung des Risiko-Managements nach DIN EN 80001-1
  • Rechtliche Sicherheit z.B. hinsichtlich Datenschutz und Haftung

 
Herausforderungen an die MIT

  • Personelle Veränderungen, Schaffung der fachlichen Qualifikationen
  • Veränderungsbereitschaft und Umdenken wecken
  • Professionelles Change-Management, ggf. externe Unterstützung

Quelle: CURATIS